Happy Colours Zwischenstand

Wieder mal steht ein Umzug an - zwei Drittel der Kisten sind schon gepackt. Wir sind gespannt auf das was kommt und freuen uns auf den Start im Eigenheim, wieder mal in ganz neuer geographischer Situation. Wir wissen aber auch dass wir in der Region Winterthur 'Koffer zurücklassen' werden, dort wo wir uns wohl gefühlt haben und gerne die Freizeit verbracht haben. Am Bichelsee z.B. und am Hüttwiler See, bei Freunden und der Familie, oder am Schauenberg. Ein Koffer steht sicher auf der schönen Radstrecke zwischen Winterthur und Zürich, im Wiesentälchen nahe Oberembrach. Die sommerlichen Heimfahrten von der Arbeit werden mir in bester Erinnerung bleiben. Ein weiterer Koffer steht in unserer Wohnung, die wir sehr gemocht haben. Und einer im Birchwald.

Ein ziemlich grosser Koffer steht allerdings im Kesslerloch - die favorisierte (weil einzige?) Boulderdestination. Hier hatte ich doch einige Projekte - einige gelöst, andere nicht.

Im letzten Sommer/Herbst habe ich mich wohl am meisten mit dem Happy Colours beschäftigt. Ein Boulder von Fred Nicole; vermutlich sein Aufwärmboulder, gibt es doch hier deutlich härteres von ihm. Für mich ist das allerdings schon zu schwer. Aber ein saucooles Teil...

Nach einem leichten Einstiegszug langt man mit links weit raus in den unteren Teil einer halbmondförmigen Struktur. Den rechten Fuss kann man dann auf einen Absatz am Wandfuss stellen und mit etwas Körperspannung kommt man gut auch mit der rechten Hand (Hände überkreuz quasi) in den Halbmond. Dann allerdings fangen die Probleme an: erstens ist der Griff eher schlecht für die rechte Hand und man behindert sich quasi selbst denn Platz ist da nicht für allzu viele Finger. Zweitens steht man recht überstreckt da, muss aber irgendwie den Schwung abfangen und die Beine oben ans Dach stellen. Da ist nichts zum Gewicht entlasten, man kann die Füsse maximal an schlechte pins stellen und mit Unterstützung der Bauchmuskulatur oben halten. Das ist schon mal die erste Crux. Die zweite schliesst gleich an, nämlich ein Schnapper mit links an eine flache Vertiefung für drei Finger (Loch wäre absolut übertrieben). Den Zug statisch zu machen wäre gleichbedeutend mit dem einarmigen Blockierer an der 1-cm-Leiste. Hier ist pressen angesagt. Der nächste Zug ist dann Crux Nummer drei - von dort weiiit mit links rausschnappen an einen recht guten Griff. Der Rest sind dann relativ weite Züge, allerdings an ganz guten Griffen.

Ich dachte wirklich ich könnte den Boulder diesen Herbst oder Winter schaffen. Es sollte wohl nicht sein; nach Ende Oktober war ich nicht mehr dort und dann kam die Schulter dazwischen...und sooo oft war ich überhaupt nicht dort. Ich hatte allerdings beim letzten Mal die Kamera dabei (es hätte ja klappen können;-)); der entstandene Clip dokumentiert in etwa den Zwischenstand.

Aus Erfahrung weiss ich dass das Gefühl "es fehlt nicht viel" absolut täuschen kann. Bis dahin, dass es eigentlich gar nicht geht. Im Hinblick auf die anstehende Schulter-OP denke ich in erster Linie folgendes: Momentan kann ich das ernsthafte Bouldern komplett vergessen, Prognose unklar. Ob ich das Happy Colours mal klettern werde oder nicht ist doch eigentlich wurscht. Ich möchte einfach wieder so unbeschwert da im Dach herumspringen können!! Oder in irgend einem anderen Dach...

Sollte das aber wieder möglich sein komme ich gerne zurück ins Kesslerloch um dem grossen Koffer mal wieder einen Besuch abzustatten und eventuell dem HC eine Begehung abzuringen. Und ich fürchte dann ist es mir wieder nicht ganz gleich ob es klappt oder nicht....

Hauptsache die Schulter hält...

...wenn sie denn erstmal wieder wird.


Und jetzt kann ich erst mal wieder die Koffer im Lindental und am Fuxenstein besuchen...

 

PS: der clip...die musik kommt vielleicht ein bisschen dramatisch rüber. Hab aber das Silence-Album mal vom Jamendo gezogen und das wird jetzt ausgeschlachtet. Nix besseres im Haus und keine Zeit was anderes zu suchen...

Happy Colours in two parts from nordkante productions on Vimeo.